Bürgerinitiative Ochsenhau – Für Deinen Wald – Alle wesentlichen Informationen zum Infoabend am 30.10.2026
4 Redner:
- Reinhold Sczuka (Bürgermeister Althütte)
- Prof. Dr. Erwin Hussendörfer (Waldbau, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf)
- Reinhard Pfeil (Bauunternehmer)
- Philip Hopf (Kapitalmarktanalyst, Podcaster)
1) Bürgermeister Reinhold Sczuka (CDU, Althütte) – Rechtlicher/planerischer Stand und Trinkwasser
Sczuka gab einen kurzen, sachlichen Abriss zum aktuellen Stand des Windpark-Standorts RM16 (Ochsenhau / Althütte, 4 geplante Anlagen) und zu den Anliegen der Gemeinde, insbesondere zum Trinkwasser.
Wesentliche Punkte:
- Regionalplanung und 1,8-%-Vorgabe: Baden-Württemberg muss 1,8 % der Fläche als Vorranggebiete für Windenergie ausweisen. Der Bund: Hat im Februar 2023 das Windenergieflächenbedarfsgesetz (WindBG) als Teil des „Wind-an-Land-Gesetzes“ verabschiedet (mit dem Stimmen von Grüne/SPD/FDP). Dieses legt die Flächenziele für die Bundesländer fest (in Baden-Württemberg sind es laut WindBG 1,8 % bis zum 31. Dezember 2032). In der Region Stuttgart sind die Randgebiete stark betroffen, weil Ballungsräume und verdichtete Bereiche kaum Flächen bieten. Der Standort RM16 wurde im Entwurf des Regionalplans ausgewiesen, auch wenn die Region selbst erhebliche Beeinträchtigungen der Erholungsfunktion und der Landschaftsbildqualität nicht ausschließt bzw. annimmt. Die Gemeinde hatte im Anhörungsverfahren Stellung genommen.
- Standorte und Abstände: Die 4 Anlagen liegen relativ nah an Wohnbebauung (Beispiele: Schotzenaustraße/Holzstraße ca. 750 m, Panoramastraße ca. 640 m, Sechserberger Straße ca. 900 m, Römerstraße ca. 880 m, Vorderwesttor ca. 1 km).
- Trinkwasser und Wasserschutz: Die Gemeinde hat einen Masterplan Wasserversorgung (Büro Rückert und Lehmann) erstellt; die Wasserschutzzonen im Ortsbereich sind relativ groß. Wasserschutzzone 3 ist weniger problematisch, Zone 2 schwieriger. Eine Anlage (WEA3) tangiert die Schutzzone der Walzquelle (Eigenversorgung des Teilorts Weiler). Der Tiefbrunnen Ochsenhau ist der Hauptwasserlieferant. Wichtige Fragen im Genehmigungsverfahren: Anschnitt von Grundwasserleitungen, geologische Schichten/Fundamente/Baugrube, Umgang mit Grundwasser und wassergefährdenden Stoffen in der Bauphase, Auswirkungen von Wegen und Fundamenten auf die Grundwasserneubildung, Lage in Schutz- oder Einzugsgebieten.
- Wasserscheide: Der Ochsenhau speist sowohl Murr als auch Rems. Der Ebenerweg markiert die Rems-Murr-Wasserscheide; entlang des Weges liegen zahlreiche Quellen. Eingriffe (Wegeausbau, Verdichtung) können Auswirkungen auf den Wasserhaushalt haben.
- Verfahrensstand: Am 21.10.2026 fand eine Vorantragskonferenz mit Investor und Landratsamt statt. Formaler Antrag voraussichtlich Anfang 2027; bei normalem Verlauf Genehmigung ca. Anfang 2028 (Investor wartet vermutlich auf Rechtskraft des Regionalplans). Genehmigung ist Voraussetzung für die EEG-Einspeisung (zweite Hürde; in der letzten Runde wurden von ca. 500 Anträgen nur 42 genehmigt). Die Gemeinde wird im Verfahren auf das Trinkwasser achten und ist zuversichtlich, dass Fachbehörden Fragen stellen – Genehmigungen mit Auflagen sind aber möglich. Wasser wird künftig ein „harter Kampf“; die Gemeinde hat bereits zu sparsamem Umgang aufgerufen.
- Fazit: Es ist schwierig, den Standort aufgrund der 1,8-%-Vorgabe und der Regionalplanung zu verhindern. Die Gemeinde will Trinkwasser und Wald schützen.
2) Prof. Dr. Erwin Hussendörfer (Hochschule Weihenstephan-Triesdorf) – Wald und Klima
Hussendörfer (Waldbau, ökologische Genetik, naturgemäße Waldwirtschaft; ehrenamtlich u. a. im Bürgerverein Seenland in Bürgerhand aktiv) sprach über Waldökologie, Dauerwald und die Auswirkungen von Windkraftanlagen im Wald. Er betonte, er spreche nicht als Hochschulvertreter, sondern aus fachlicher Sicht und dankte für die Organisation.
Wesentliche Punkte:
- Ökologische / naturnahe Waldbewirtschaftung: Baden-Württemberg und der Schwäbisch-Fränkische Wald sind in der ökologischen Waldbewirtschaftung weit (z. B. Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft vor ca. 70 Jahren gegründet). Ziel: Waldökosystem als Ganzes dauerhaft erhalten und alle Funktionen gewährleisten. Natürliche Dynamik (Alterung, Zerfall, Verjüngung) und Lücken im Kronendach: Lücken bis ca. 0,3 ha (ca. 1000 m²) sind noch verträglich; darüber hinaus geht das kühl-feuchte Waldinnenklima verloren (Sonnenstrahlung, extreme Temperaturen, kein gutes Waldklima mehr). Urwald-Beispiele zeigen geschlossene, mehrschichtige Bestände mit Totholz, ohne Wege/Maschinen und mit Pilzen als Indikatoren.
- Dauerwald: Nutzungen maximal kleine Lücken; Totholz und Habitatbäume wichtig. Konzept in Laub- und Nadelmischwäldern etabliert.
- Auswirkungen von Windkraftanlagen im Wald: Stell- und Lagerflächen ca. 2 ha pro Anlage (ohne zusätzliche Wege). Beispiele (Luftbilder, Google Maps, eigene Messungen): Schotterflächen heizen sich extrem auf (z. B. ca. 50 °C bei 32–33 °C Außentemperatur). Temperaturunterschiede von 15–20 °C und mehr zwischen offenen Flächen und geschlossenem Wald. Randbäume leiden („Wäscheleine-Effekt“); betroffene Fläche ist deutlich größer als die direkt beanspruchte (Faktor 2–5 und mehr); Effekte breiten sich aus. Waldzustandsdaten zeigen Verschlechterung nach Bau. Peer Ibisch: Windräder sind zusätzliche Stressquelle durch Öffnungen >0,3 ha, Wind, Hitze und Extreme.
- Wasser und Boden: 10 % verdichtete Fläche können für ca. 36 % des Oberflächenabflusses verantwortlich sein (weniger Grundwasserneubildung, mehr Abfluss/Hochwasser). 1 ha intakter Wald puffert ca. 7500 m³ Niederschlag (entspricht Wasserverbrauch von ca. 50 Menschen). Mehrere Hektar Verlust (z. B. 10 ha bei 4 Anlagen) bedeuten spürbare Einbußen. Verdichtung durch schwere Kräne macht Rekultivierung sehr schwierig (Jahrzehnte bis ca. 100 Jahre für Bodenaktivität). Oberflächenabfluss, Humusverlust, gestörte Bodenprozesse gefährden Trinkwasser. Die 4 Anlagen im Ochsenhau inkl. den Anfahrtswegen zerstören die Wasserversorgung für 500 Menschen.
- Weitere Funktionen und Kritik: Intakte, geschlossene Wälder kühlen Landschaften und Städte (Frischluftquelle, Thermik). Durchlöcherung kehrt den Effekt um. Gesellschaftliche Leistungen des Waldes (Trinkwasser, Gebietswasserhaushalt, Klimaregulation, Erholung) werden beeinträchtigt. Kritik an Zielsetzung der Waldstrategie/ForstBW: Reduktion des Holzvorrats/„Entküren“ im Klimawandel widerspricht dem Erhalt geschlossener Bestände (gegenteilige Meinung: dicht halten, selbstregulierend). Anfrage an Umweltministerium: Keine Eigenfinanzierung/Berichterstattung der Waldstrategie zu Windenergie-Auswirkungen vorgesehen. Massive Hiebe (z. B. in Moxerau oder im Bereich geplanter Zuwegungen) belasten den Wald zusätzlich und erschweren die Beurteilung.
- Fazit und Wunsch: Standort Wald ist der ungünstigste (Kettenreaktionen für Region und darüber hinaus). Anlagen sollten außerhalb des Waldes stehen, um regenerative Energie zu liefern, ohne die Waldökosysteme zu durchlöchern. Wenige Langzeituntersuchungen zu Folgewirkungen; Monitoring fehlt oft.
3) Reinhard Pfeil (Bau und Verkehr)
Pfeil stellt sich als langjähriger Praktiker im Bauwesen vor (ca. 50 Jahre Erfahrung) und betont, er sei kein grundsätzlicher Windkraftgegner, sondern Befürworter alternativer Energien – allerdings mit Kritik an der mangelnden Speicherung von Überschussstrom in Deutschland und der daraus folgenden Abhängigkeit von Gaskraftwerken bei Dunkelflaute.
Wesentliche Punkte:
- Die Baustelle sei von enormer Größenordnung. Bestehende Waldwege reichten für Schwertransporte nicht aus; sie müssten auf 5–9 m Breite ausgebaut werden. Zusätzlich sei eine neue Straße von über 3 km nötig.
- Große Erdbewegungen: ca. 20.000 m³ Aushub und Transport (Material teilweise in Hanglagen abgelagert), ca. 80.000 m³ Abtrag/Auffüllung an den Anlagenstandorten selbst. Steile Hänge (z. B. Anlagen 2 und 4) müssten erst aufgefüllt werden.
- Massive Schotter- und Betonmengen (u. a. ca. 5.000 m³ Beton für Fundamente), was er mit rund 4.600 Vierachs-LKW-Fahrten veranschaulicht. Weitere Transporte für Anlagenkomponenten (ca. 35.000 Tonnen Schotter/Material über 60 Tage und weite Wege).
- Zusätzlich eine 11 km lange Stromleitung (Sachsen-Anhalt Richtung Murhards) mit hohen Kosten und Flächenverbrauch.
- Er zeigt Fotos/Videos von vergleichbaren Baustellen (u. a. Main-Taunus-Wald, Boxerhausen) und vergleicht die Dimensionen mit lokalen Sportflächen. Kalkstabilisierung der Wege und Bodenverdichtung seien nötig.
- Risiken: Mögliche Grundwasserverunreinigungen durch die Eingriffe (besonders in Wasserschutzgebieten); niemand könne Garantien geben. Schallprobleme aufgrund ungünstiger Topografie und Windrichtung seien wahrscheinlich. Vergleich zu Bayer Eck (Uhingen, Landkreis Böblingen) mit untragbaren Geräuschen, Wertverlusten und zeitweisen Abschaltungen.
- Empfehlung: Windkraft eher entlang von Schnellstraßen/Autobahnen oder Waldstraßen mit guter Erschließung, nicht in Landschafts-/Wasserschutzgebieten.
- Appell: Politiker und Zuständige in die Haftung nehmen; Unterstützung für den Verein (Bürgerintiative Ochsenhau e.V.), da ohne Gegenwehr die Baustelle komme. Dank an die Aktiven.
4) Philip Hopf (Wirtschaftlichkeit)
Hopf betont seine Herkunft aus Althütte (aufgewachsen dort, TSV Althütte, Jugend am Ebnisee) und erklärt, er sei als betroffener Bürger und nicht als Windkraftexperte gekommen. Er hinterfragt die Standortwahl in einem Gebiet mit vergleichsweise wenig Wind.
Wesentliche Punkte:
- Optische Beeinträchtigung: Die Anlagen (bis ca. 250–266 m Höhe) seien von vielen Orten (Althütte, Sechselberg, Franzbach etc.) sichtbar und stören das Landschaftsbild massiv.
- Immobilienwertverlust: Bezug auf deutsche, schwedische, dänische und US-Studien (tausende Immobilien). Im Radius von ca. 1–1,6 km Wertminderungen von etwa 8–15 %, besonders im ländlichen Raum stärker. Bei mehreren Anlagen (hier 4) verstärke sich der Effekt. Schattenwurf und Sichtbarkeit reduzierten die Attraktivität für Käufer – das sei auch ohne Studien nachvollziehbar (Menschenverstand).
- Vergleich Dänemark: Dort gibt es gesetzliche Regelungen, wonach Eigentümer im 6-fachen Abstand der Anlagenhöhe Anspruch auf Ausgleich des Wertverlusts haben; bei massiver Beeinträchtigung sogar Ankauf durch den Betreiber.
- Kritik an pauschalen Vorwürfen („Schwurbler“, „Klimaleugner“, „gegen Erneuerbare“): Bedenken zu Trinkwasser, Lärm, Wertverlust seien berechtigt und dürften nicht so abgetan werden. Dialog statt Polarisierung.
- Energiewende und Preise: Strompreis von ca. 23 Cent/kWh (2010) auf ca. 39,6 Cent Ende 2025 gestiegen – entgegen Versprechen sinkender Preise. Deindustrialisierung, teuerster Strom in Europa; Ausbau von Wind und Solar habe die Preise nicht spürbar gesenkt. Profitieren würden andere, nicht die Anwohner. Zusätzliche Probleme: jahrelange Baustellen, Umweltschäden, Immobilienwertverluste.
- Dichteargument: Deutschland (ca. 230 Einwohner/km²) vs. Norwegen (ca. 10); in Ballungsräumen wie Stuttgart (über 700) würden vergleichbare Flächen nicht so behandelt. Schwache Windstandorte und Hanglagen in Baden-Württemberg seien besonders kritisch.
- Appell: Die volle Halle zeige Interesse; nicht schweigen und Entscheidungen über die Köpfe hinweg akzeptieren. Gemeinschaftlich vorgehen, aktiv bleiben und sich durchsetzen – entweder die Projektierer oder die Bürger. Stolz auf die Beteiligung und Dank an die Presse/Aufmerksamkeit.
Mario Esch, der Vorsitzende vom Ochsenhau e.V., rahmte die Beiträge, dankte, ergänzte organisatorische Infos (z. B. Kosten für eigene Gutachten 60–70.000 €, Antworten von Behörden oft ausweichend oder im Zirkelschluss, kein Genehmigungsantrag vorliegend, Regionalplan nicht rechtskräftig) und rief zur Mitgliedschaft, Spenden und zum Dialog auf.
Webseite: https://ochsenhau.de/






Rodungen und Verdichtungen im Wald – Folgen für den Wasserkreislauf: 10% verdichtete Waldfläche „sorgen“ für 36% Oberflächenablusses!








Stephan Köthe (MdL) und Jürgen Häußler, AfD-Stadträte von Esslingen am Neckar:


